STROMPREIS IM SPANNUNGSFELD STEIGENDER BRENNSTOFFKOSTEN



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​​​​​​​STROMPREIS IM SPANNUNGSFELD STEIGENDER BRENNSTOFFKOSTEN
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Köln - Die zuletzt ungewöhnlich hohen Strompreise im Börsenhandel sind das Ergebnis eines außergewöhnlichen Zusammenspiels der Brennstoffe Kohle und Gas sowie der CO2-Kosten. Das zeigt eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts (Ewi) der Uni Köln. Dabei nimmt die Analyse insbesondere die erste Julihälfte in den Fokus, als die Strompreise im Großhandel bei über 90 Euro/MWh lagen - ein Niveau, das es zuvor seit 2008 nicht mehr gegeben hatte. Als maßgebliche Faktoren machen die Kölner Wissenschaftler das synchrone Auftreten hoher Einkaufspreise für Steinkohle und Gas bei gleichzeitig hohen Kosten für CO2-Zertifikate aus. 
 
Erholung nach der Coronakrise als Auslöser
Den Ausgangspunkt dieser Entwicklung sehen die Autoren in der weltweiten Erholung des Stromverbrauchs nach der Coronakrise. Das habe die Nachfrage nach Steinkohle befeuert - insbesondere in China. Der Steinkohlepreis lag im Juli mit 15 Euro/MWh (ARA) auf einem Niveau, das zuletzt 2011 erreicht wurde. Zugleich waren die Gaspreise mit 36 Euro/MWh (TTF) so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. "Die Gasspeicher in Europa sind aufgrund des kalten Winters kaum gefüllt", führte Eren Cam, Senior Research Consultant, eine Ursache an. Zudem sei weltweit die Nachfrage gestiegen, insbesondere in Asien. Ausfälle und Wartungsarbeiten bei der Gasinfrastruktur hätten die Situation noch verschärft. 

Parallel erreichten auch die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel einen neuen Höchststand von zeitweise mehr als 57 Euro pro Tonne. Hier wiederum zeigt sich nach Darstellung der Ewi-Analyse die komplexe Wechselwirkung der einzelnen Commodities. Denn hohe Gaspreise erhöhen die Nachfrage nach Kohle in der Stromerzeugung - und damit auch die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten. Als Ergebnis dieser Konstellation haben sich die Grenzkosten der gesamten fossilen Kraftwerksflotte deutlich erhöht - und damit auch die Handelspreise für Strom. Profiteur dieser Entwicklung ist die Braunkohle. Sie hat sich in der Merit Order - trotz steigender CO2-Zertifikatspreise - zwischenzeitlich wieder vor die Gaskraftwerke geschoben. /rb​​​​​​​
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